Warum Gewalt Zeichen gegenseitiger Liebe ist:

Veröffentlicht in Menschen mit Tags , , , , , , am Februar 25, 2008 von celequickarts

Was sich neckt, das liebt sich.
Ok. Es ist vermutlich nicht die Schmetterlinge-im-Bauch-Herzchen-Augen-Liebe, aber doch zumindest die Möglichkeit von Zuneigung.
Ich meine der Typ dahinten im Cafe ist ein fettes Aas, dass die Kellnerin zum dritten Mal anschnauzt, irgendwie sabbernd wirkt und gerade mein gesammtes Ekel-Hass-Gefühl in Anspruch nimmt, ich würde ihm jedoch keine reinhauen wollen.
Ganz einfach, weil ich Angst hätte, meine Hand bliebe in einer Mischung aus Fett und Schweiss stecken.
Oder ich könnte mich am Widerlichkeitsfaktor anstecken.
Nein Berührungen mit solcherlei Menschen sind zu vermeiden.
Ich hatte auch nie das Bedürfnis Condoleezza Rice eine zu knallen. Schusswaffen vielleicht. Da kommt kein Kontakt zu stande.
Folglich haben Rassisten nichts gegen Ausländer.
Fänden sie diese nur halb so abstossend, wie sie behaupten, würden sie nicht regelmäßig in deren Arme fallen. (zugegebenermaßen meistens mit dem Ergebnis, dass einer ‘ne blutige Nase hat).
Nein, das Problem des Rassisten oder prügelnden Vaters, sind weder Maximalpigmentierte noch der Sohn.
Das Problem lag vielleicht bei den Eltern, oder der Arbeit.
Misserfolg, Frustration, Demotivierung, Hass.
Das Gefühl der Zug sei abgefahren, die Zeit rausche an einem vorbei wie im Traum und nur körperlicher Kontakt, physische Reize könnten noch Halt geben.
Frustriert wie einer ist, ist er jedoch auch sensibel, reagiert über, hört Vorwürfe, die er höchstens selbst gegen sich erhebt.
Also schlägt er zu, statt abzuknutschen.
Der beste Beweis, dass meine Theorie durchaus ab und an zutrifft sind Antifa und Rassisten.
Beide würden sich prima verstehen – prinzipiell.
Beide kloppen am liebsten auf Minderheiten ein, erlauben keine politische Meinung ausser der ihren und sind Arschlöcher.
Es heisst nicht umsonst, jemand sei so links, dass er rechts wieder rauskäme.

Frühling, ja du bist’s!

Veröffentlicht in Menschen mit Tags , , , , , , , am Februar 25, 2008 von celequickarts

Es ist Februar, recht warm.
Gestern hatte es noch 15°C!
Das bewegt einige meiner Mitbürger zu nicht wirklich überraschender Extrovertiertheit.
Und mich, ein altbekanntes Mörike-Gedicht zu zitieren:
„Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte“
Nebenbei auch die braun, orange geblümten Röcke einiger Damen und enthült bestenfalls presswurstpellenartige Leggins (bestenfalls schwarz).
Wer sich’s leisten kann geht als Toastbrot. Nicht blau meist violett, gold gestylt.
Und der Weihnachtsschmuck, dient all jenen bei denen das Solarium den Geldbeutel leerte nun als Ohrring-Ersatz.
„Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land“
Ich ahne allerdings nur Bratwurst und McDoof.
Ausschlaggebend dafür das besagte Leggins eben presswurstpellenartig wirkt.
Es scheint die Deutschen sind duldsam.
Der Partner darf ruhig fett werden. Es zählen doch sowieso die inneren Werte.
Wer innerlich schön ist, gleicht trotz aller optisch konträren Argumente einer Blume.
„Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!“
Und das Handy meines Bahnnachbarn.
Liebenswürdig wie der Kleine so zu sein scheint, informiert er mich gratis über das Neueste in Sachen Hiphop.
Sagte nicht schon Holmes, dass überflüssige Information nur den Platz für Wichtigeres verbrauche?
Der kleine, den ich im ersten Moment noch bemitleidete, ob seiner Stummelbeinchen, bis mein Blick höher wanderte und unfreiwillig Zeuge einer blau karierten Unterhose wurde strahlt mich an.
So klein ist er eigentlich nicht.
Vielleicht zwei Jahre jünger als ich und zwanzig Zentimeter größer.
Seine Nase ist von einem Pflaster bedeckt, wie ich es nur von Schlägern kenne, aber ein so netter Bursche schlägt sich sicher nicht.
Er ist ein ehrenwerter Mann. Das sind sie alle, alle ehrenswert!
Die Bahntüren öffnen sich und eine weitere Brise Bratwurst-Burger-Channel-Luft kitzelt meine Nase.
„Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!“

Kunstgeschichte

Veröffentlicht in Kultur, Kunst, Schule mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , am Februar 25, 2008 von celequickarts

Ich habe in der 12. Klasse Kunst al vierstündiges Fach gewählt.
Hauptgrund war, dass ich gerne zeichne und derartige Aufgaben leicht umsetzen kann und wusste, dass ich mit diesem Fach Punkte holen konnte.
In Neuseeland hatte ich auch schon einmal Kunstgeschichte belegt und innerhalb eines halben Jahres gerne und viel über Klassizismus bis Impressionismus gelernt.
Ich glaubte nun Kunst und Kunstgeschichte als ein Fach zu haben, bedeute, die alten Meister kennenzulernen, Michelangelo zu kopieren und die Symbolik in Bau und Bild verstehen zu lernen.
Ich sollte bitter enttäuscht werden.
Themen 2007/2008 waren: Dürrer, Sander, Gehry, Kienholtz und das Freiburger Münster.
Kurz erklärt also ein selbstverliebter Altmeister und Realist, ein vergleichsweise unbekannter Photograph des 20./21. Jahrhunderts, ein größenwahnsinniger Architekt, ein völlig verrückter Anhänger moderner Kunst und ein Kirchenbau, der mir gelegen kam, weil Heimatstadt, sich aber als stupides Pauken der Figurenaufstellung entpuppte.
Dürrer und das Münster waren zumindest Klassiker.
Ästhetisch, wegweisend, symbolgeladen.
Sander war als Photograph zwar nicht überwältigend, aber überzeugend.
Gehry und Kienholtz stießen mir bitter auf.
Gehry ist verantwortlich z.B. für das Guggenheim-Museum Bilbao, ein vergleichsweise schöner Bau.
Andere Werke zeichnen sich durch funktionsunfähigkeit aus und dadurch, nicht im Geringsten in ihre Umgebung zu passen und schlimmstenfalls wirken sie konzeptlos.
Kienholtz bastelt aus Unrat abstossende, unbeholfene Figuren und Installationen. Ihm ist immerhin noch zugute zu halten, dass das abstossende gewollt ist, er gesellschaftskritisch ist.
Würde das Wollen nur reichen!
Zum Vergleich meine, zugegebenermaßen kleine Schar an Favoriten:
Ich verehre die Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts, teils noch des 18.: Blake, Ingre, David, Klimt, Dicksee, Waterhouse, Burns.
Engländer, Franzosen, Deutsche.
Ihre Kunst ist der Perfektionismus, die Ästhetik und die Details.
Symbolik und Darstellung sind neben ihrer Schönheit durchaus politisch und gesellschaftskritisch, oft auch Dokumentation der menschlichen Psyche.
Nennt mich oberflächlich – Ich mag das Schöne.
Also sitze ich nun wöchentlich meine vier Stunden ab, höre mir an, dass die Welt mit dem Alten Testament begann und Hässlichkeit Ausdruck tiefgründiger Gesellschaftskritik ist.
In Gedanken reise ich in eine klassizistische Vill, voll der Gemälde der Präraphaeliten. Ein gutaussehender Mitfünfziger mit Zigarre und Whiskey liest Blakes „Songs Of Experience“ während beinahe unhörbar Wagners „Erdas Warnung“ durch die hohen Räume halt.
Zurückgerissen durch der Lehrerin Stimme, frage ich mich:
Wo bleibt die Lehre grundlegender Erkenntnisse der Kunst?
Farbenlehre? Proportionen? Symbolik?
All dies wird heute kurz oder gar nicht behandelt.
Die Moderne regiert absolutistisch.
Das Alte: Zu idealistisch, oberflächlich, gestellt.
Dummfug!

Sichtweisen und Standpunkte

Veröffentlicht in Konsum mit Tags , , , , , , am Februar 24, 2008 von celequickarts

Ich habe einen Handy-Vertrag abgeschlossen.
Bei O2.
Und ein Sony Ericsson w910i habe ich dazu gekauft.
Monatl. Gebühr 10€, 2 Jahre, plus Vertragsgebühren.
Noch einmal 10€.
Dafür erhalte ich 100 Freiminuten und 150 FreiSMS.
Eine höfliche, adrette Frau setzte mit mir den Vertrag auf.
Ich fragte sie, nervös und ungeschickt wie ich bin, gleich zwei mal nach den monatlichen Kosten.
„20 Euro im Monat? Das stimmt so?“ „Genau. Ausser natürlich sie telefonieren oder schreiben mehr.“
Ich war begeistert.
Mein bisheriger Vertrag war alt und dementsprechend strukturiert und teuer.
Mein Neuer war nun aktiv. Am 14.02.
Am 20. stattete ich dem blauen Geschäft einen erneuten Besuch ab.
Das Netzteil hatte nicht funktioniert.
Man versprach mir einen Ersatz – Ich weigerte mich mein Handy abzugeben, um es einzuschicken – für den nächsten Tag.
Das funktionierte am 21. dann auch. Obwohl ich am besagten Tag noch zwei mal kommen musste, weil niemand von nichts wusste und ich auf den einzigen informierten Mitarbeiter zu warten hatte. (Bis dahin 4 Besuche in einer Woche…)
Aber da dies zum Großteil Sonys Schuld zu sein schien ärgerte ich mich nicht weiter, sondern war nur leicht genervt.
Dann kam die erste Rechnung.
Bestellter Weise an meine Mailaddresse.
An diese kam jedoch nur die Information, dass die Rechnung existierte, ich jedoch zuersteinmal einen Kunden-Account einzurichten und dann ein PDF-file herunterzuladen hätte.
Heute tat ich dies.
Und war dezent erstaunt über die Sichtweise meines O2 Shops.
Eine Rechnung vom 15.01.-14.02. war da.
Erster Shock die Datierung.
Dann las ich genauer.
Stellte fest, dass da ein Grundpreis von etwa 50 Cent zu sein schien. (Meiner Ansicht nach hätten es 10 Euro sein sollen, aber sicher nicht in diesem Zeitraum).
Dann war da eine bislang unerwähnt gebliebene Mehrwertsteuer die alles in allem ca 5 Euro betrug.
Und ein ebenfalls unerwähnt gebliebener Anschlusspreis (ca 20 Euro) sowie Gesprächskosten – Haha wann sollen die denn gewesen sein – von ca 10 Cent.
Ich bin Laie und vermutlich einfach nicht in der Lage das komplexe und geniale System von O2 zu durchschauen, aber ich fühle mich schlicht und einfach:
Über’s Ohr gehauen.
Danke O2.
Und bis morgen!

Harald Schmidt: Der Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv

Veröffentlicht in Literatur mit Tags , , , , , , , , , am Februar 24, 2008 von celequickarts

Ich mag Harald Schmidt.
Besonders seine Playmobil Inszenierung eines Jünger Textes habe ich mir schon mehrfach angesehen.
Und als ich nun unlängst nach der Lektüre von Schillers „Die Räuber“, nach einem Unterhaltungsbuch suchte, kam ich nicht umhin Schmidts Kolumnen-Sammlung zu kaufen.
Im Gegensatz zu den Räubern fand ich schon am Vorwort großen Gefallen.
Herrn Schmidts Art die Menschen um sich, ihr teils scheinbar widersinniges Verhalten und die Absurditäten und Moden des 21. Jahrhunderts zu kommentieren reicht von belanglos bis genial.
Sicher trifft auch der charmante Fiesling nicht immer den richtigen Ton und ist manchmal schlicht gezwungen komisch, aber nicht selten muss man eben doch lächeln.
Ich war erleichtert – Ich gebe es offen zu – mich nicht allzu oft in seinen Beschreibungen wiederzufinden und konnte somit beinahe ohne bitteren Beigeschmack die Lästerei und Boshaftigkeit von Deutschlands letztem Komiker genießen.
Manchmal deckten sich die Sichtweisen, manchmal fühlte ich mich ertappt. In jedem Falle bot der schmale KiWi Band angenehme Entspannung zwischen Deutsch- und Englischklausur.
Belanglos oder doch zum Nachdenken anregend?
Herrn Schmidts Kollektion seiner Focus-Kolumnen ist sowohl das Eine als auch das Andere.
Es ist empfehlenswert, wie er selbst sagt zum Verschenken, aber, wie ich hinzufügen möchte durchaus auch zum Selberlesen.
Es ist leichte Lektüre mit ernsten Zwischen-den-Zeilen-Ideen und schwarzem Humor.
Und es ist von einem intelligenten Mann für halbwegs intelligente Menschen.
Quasi ein Gespräch bei Wein und Zigarette (Herr Schmidt erklärt uns ja ausgiebig, warum er passionierter Passivraucher ist…) in Buchform.
Lächeln garanitert

Blut Gehirn Massaker

Veröffentlicht in Filme, Literatur, Menschen mit Tags , , , , , , , , , , , , , , , , am Februar 23, 2008 von celequickarts

Wieso sehen sich Menschen Filme an, in denen ihresgleichen gefoltert, zerlegt und anschliessend zur Schau gestellt wird?
Man stelle sich nur einmal Kater Tommi dabei vor, wie er die überfahrene Nachbarskatze mit zufriedenem Schnurren begafft.
Nein ein unpassender Vergleich. Das Video, dass das Überfahren von Nachbars Katze zeigt. Die selbstredend noch lebt.
Aber da Katzen in ihrer Klugheit erkennen, dass Bildschirme keine lebenden Wesen zeigen, interessieren sie sich nicht für jene und schauen weg.
Wir schauen hin.
Johlen, wenn das MG ordentlich abgeht und wenn dann noch die Claymoore Mine Urwald UND feindliche Armee (Stichwort schlitzäugige Komunisten-Militär-Junta, Stichwort Rambo) gleichzeitig zerfetzt, werden schon einige Äuglein feucht.
Es ist wohl weniger der Gedanke an den morgigen Amoklauf, oder die heissersehnte Rache an dem Flittchen, dass dreister Weise unsere große, einzige, unwiderbringliche Liebe zuerst ergatterte.
Es ist viel mehr die allgemeine Freude daran, dass jemand genau das tut, was wir uns beschämender Weise beim Anblick der letzten, zukünftigen Altersvorsorge überlegten.
Ob Hannibal oder Jigsaw: Killer mit Intellekt sind in.
Sie kleiden sich gut, haben Oscar Wilde gelesen oder zumindest Sartre und konsequenterweise geschlossen, dass die heutige Gesellschaft keinem Ideal mehr gerecht wird und dies nicht einmal durch grundlegende Tugenden ausgleichen kann und folgerichtig dafür bestraft werden muss.
Wir fleischlichen Zuschauer (und Leser), mehrheitlich teil der beschriebenen Gesellschaft und mehrheitlich tugendbefreit können, dürfen und sollten lieber von solcherlei Plänen absehen, zumal die wenigsten den IQ besäßen das Happy End (für den charmanten Intellektuellen mit Hang zum Sadismus) zu erreichen und bestenfalls noch die schnike Polizistin mit erlesenem Dinner und anschliessendem Nachtisch zu verwöhnen.
Nein die Gewaltbereitschaft fördern solche Filme nicht.
Entweder sie ist sowieso schon vorhanden oder sie ist es nicht.
Langweilige Dialoge, in richtigem Maß gesetzt ersticken sowieso geschickt den Wunsch sich in den Film hineinzuversetzen im Keim.
Wer seine gepflegte Aggression angestachelt sehen möchte, sollte lieber um halb eins an eine Stadtkernnahe Tankstelle gehen, als sich Saw 4 anzusehen oder Der Rote Drache zu lesen.
Letzteres ist sowieso eher Motivationslektüre für Blake-Liebhaber.
Es ist vielmehr die Erkenntnis, dass Genies unter uns weilen, die mit der Präzision eines Schweizer Uhrendesigners Folterwerkzeuge herzustellen vermögen und mit der Belesenheit eines Parts des bekanntesten Quartets Deutschlands zubeissen.
Und durchkommen.
Zumindest meistens.
Es ist die Erkenntnis das klassische Bildung und ein solides Maß an Lebensweisheit immer noch zum Guten führen. (Stichwort Dinner mit schniker Polizistin)

Die Breite Masse

Veröffentlicht in Menschen mit Tags , , , , , , , , am Februar 22, 2008 von celequickarts

Es ist Freitag Morgen: 7:45.
Zusammengefasst fühle ich mich in dieser Minute:
Müde, schlapp, leicht überfordert.
Aktuellen Essays nach, gehöre ich damit einer großen Gruppe schulsystem-frustrierter Gymnasiasten an.
Ausserdem schreibe ich ein Blog.
Was mich einer noch größeren Gruppe junger Frauen und Mädchen zuordnet, die selbstbewusst mit Medien arbeiten und freizügig Partikel ihrer Idenität über das omnipotente Web 2.0 verteilen.
Selbstbewusst, aber frustriert und ausserdem vielbeschäftigt wie ich vorgebe zu sein, bin ich selbstredend, die Klischees erfüllend Single.
Dank der großartigen Individualisierung der letzten 20-40 Jahre, sind wir heute so einfach in Schubladen einzuordnen – Spiegel Focus und Harald Schmidt beweisen es.
Die Frage ist: Was machen mit dem neuen , vorhersehbaren Individualisierung?
Wünschen wir Abgrenzung von der vorigen Generation, haben wir sowieso verloren.
Unsere Eltern sind aufgeklärt worden: Sie kennen die Risiken von Kondom und Pille, geben ihre Unterschrift zum Piercing und nehmen Leistungsabnahme mit motivierenden Sprüchen einfach hin.
Wünschen wir Anerkennung, müssen wir verstehen, wie die Gruppe funktioniert:
Es gibt Aussenseiter, Mitläufer und Trendsetter.
Aussenseiter sind die Subgruppenangehörigen, auf den ersten Blick anders, auf den zweiten dennoch zugehörig.
Es gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Mitläufer wandeln sich, wenn sich alle wandeln.
Sind, was alle sind.
Trendsetter sind vorweg oder zumindest so verdammt schnell, dass man dies meint.
Der Aussenseiter sammelt Punkte durch den Grad seiner Extremität.
Der Mitläufer sammelt kaum welche. Er punktet höchstens durch soziale Fähigkeiten und Perfektion.
Der Trendsetter ist sozial, aber arrogant, perfekt aber so schnell, dass er Gefahr läuft Aussenseiter zu sein und dann ist er nicht mehr extrem genug.
Wir haben es schwer, sind frustriert aber selbstbewusst genug dies zuzugeben.
Würden wir jedoch Geld über dieses Punktesystem verdienen, wären die meisten von uns ander vielbesprochenen, finanziellen Armutsgrenze.
So sind sie es nur geistig.
Das System erfordert derart viel Aufmerksamkeit, dass für die klassische Bildung keine verbleibt.
Und hier verlieren wir Punkte an die vergangene Generation.
Aber immerhin dürfen wir uns dann selbstzufrieden sagen:
Es sind doch die interessierten, sozialen Alt-68er, die uns jetzt Levis-Jeans und Channel-Perfum verkaufen…

Das Rheingold

Veröffentlicht in Kultur mit Tags , , , , , am Dezember 27, 2006 von celequickarts

Rheingold – Wagner

Was kommt einem bei Wagner in den Sinn?
Pathos? Mit Sicherheit!
Und das so viel – manchmal sicherlich etwas zu viel – Leidenschaft und Überschwang und vor Allem halb vergessene Götter und Antagonisten derselben geradezu nach Staubwedel und Modernisierung schreien, mag Manchem nahe liegend erscheinen.
Es stellt sich aber doch die Frage, ob die nahezu minimalistische Inszenierung Rheingolds durch das Freiburger Theater noch in den Bereich der Erträglichkeit fällt.

Um die Struktur einer konstruktiven Kritik zu erfüllen, seien hier die zwei positiven Kommentare aufgeführt – An den Anfang damit, dass sie später nicht mehr abzuhaken sind:
Wundervolles Orchester, großartige Sänger!
(Wenn Letztere leider erst nach gut fünfzehn Minuten aufgetaut schienen.)
Das war’s.
Und das sind Rohmaterialien.

Fangen wir mit der Technik an:
Unser Theater ist arm!
Das ist alles was mir durch den Kopf geht, wenn ein Stück stundenlang, vier Bilder hindurch unter der selben Beleuchtung (wohlgemerkt eine eher weniger originelle) zu stehen scheint.
Man kommt auf die Idee, der Zuständige hätte den Schalter umgelegt, um danach noch zehn weitere Jobs ausfüllen zu müssen.
Raub, Intrige und Mord mussten also ohne Zwielicht, Fokussierung oder auch nur irgendeine noch so geringe Veränderung der Beleuchtung auskommen.
Aber damit kann man notfalls leben.
Dass sich nach den Weihnachtstagen auch am Theater soviel Müll angesammelt hat, dass Schätze schon durch Tüten symbolisiert werden müssen, die durch das Stück hindurch zweimal vollständig von A nach B und von B nach C umgeschichtet werden – Unter angemessenem Geraschel – ist entnervend.
Als Gymnasiastin schossen mir zwar unwillkürlich außerordentlich gesellschaftskritische Ideen, wie „Konsum“ oder „Uniformität“ durch den Kopf, was die mit Wagners Rheingold zu tun haben, blieb mir aber ein Rätsel.

Doch bevor ich mich hier in all diesen Nebensächlichkeiten verliere, endlich die Hauptfrage, sozusagen das Feierabendquiz:
Haben sich die Verantwortlichen jemals auch nur eine halbe Stunde mit dem Stoff auseinander gesetzt?

Mir ist nicht fremd, dass Vielen die zahlreichen Mythen um Asen, Wanen und Riesen heutzutage eher unzugänglich erscheinen und auch, dass sie nach dem zweiten Weltkrieg unter einem schlechten Ruf standen, aber wenn man von den Geschichten so rein gar keine Ahnung hat und wohl auch nicht haben möchte, soll man doch bitte auch nicht versuchen sie zu interpretieren.
Es geht nämlich in die Hose.

Ich bin weder eine Anhängerin des Asatru, noch behaupte ich auf diesem Gebiet überdurchschnittliches Wissen zu besitzen, aber ich beschäftige mich seit über fünf Jahren mit diesen Erzählungen und auch wenn Wagner mit Sicherheit damals die Charaktere sehr frei gestaltete, waren mir einige Figuren wortwörtlich zuwider.
Wotan als barbarischen Rocker zu gestalten scheint mir der erste und beste Beweis für eine grauenhafte Bildunglücke.
Um Wotan (oder besser: Wagner) zu zitieren:
„Durch Vertrag zähmt’ ich ihr trotzig Gezücht „
So spricht Wotan zu Beginn des zweiten Bildes.
Während der Gott, welcher einst neun Tage litt, um den Menschen die Schrift zu bringen (Runenlied: „Runen wirst Du finden und Ratestäbe [...] Sie ritzte der hehrste der Herrscher. „) also darüber sinniert, dass er durch Schrift die niederen Wesen überlistete und sich zu Diensten machte, schärft er in Freiburg nur etwas beleidigt seinen Speer.
Fricka, seine sorgenvolle Ratgeberin, wirkt eher wie die leidige Gattin mit Migräne.
Und an dieser Charakterisierung scheint sich weiter leider auch nichts mehr zu ändern.
Die sinnlichen Rheintöchter gleichen mehr minderjährigen Tennisspielerinnen, so dass Alberich einem höchstens pädophil erscheint.
Loki schließlich, der eigentlich schöne, verführerische Gott, der nicht nur in diversen Gestalten bezirzt, sondern auch listige Ratschläge zu geben weiss und Wotan selbst an Schläue kaum nachsteht, wirkt wenig schwungvoll und erinnert an einen LKW-Fahrer, der träge seine Lebenserfahrung mitteilt und dann hin und wieder ein rotes Käppchen (ich hätte es ihm irgendwann gerne einfach weggenommen!) zurecht schiebt.
Andere Gestalten erscheinen so uninteressant und flach, dass sie der Kritik schon gar nicht mehr wert sind.
(Da war noch eine Freya, richtig?
Ach, wichtige Liebesgöttin und Schlüsselfigur?
Gar nicht mitbekommen…
- Über ihre komplexen Ursprünge will ich hier gar nicht anfangen, es wäre im Vergleich zu schmerzhaft)
Zuletzt noch einen Kommentar über das Bühnenbild: Nö.
Essentiell verantwortlich dafür, dass ich Teile der Vorstellung nur mit geschlossenen Augen genießen konnte und in anderen die Minuten zählte. (Ermordung des Alberich: Abgehakt, Erscheinen der Norne: Abgehakt – Hach, vielleicht endet’s bald!)
Tut mir leid, aber dieses Vergehen an großartiger Musik und ungewöhnlicher Handlung bereitet mir wohl noch einige Zeit Schmerzen.

Literaturempfehlungen:
Felix Grenzmer: Thule (~1914)
Rudolf Simek Kröner: Lexikon der germanischen Mythologie (1984)