Ein Jahr: Prolog

Prolog

Es war Abend, vielleicht sieben Uhr.

Mattes Dämmerlicht schien noch vom Horizont her.

Ein sanftes rot über den Hügeln, welche die Flussebene eingrenzten und nach Norden und Süden waren die Baumwipfel Silbern gekrönt.

Der letzte Augenblick Sonne warf orangene Schemen über den Asphalt und malte lange Schatten.

Die Autos hatten bereits ihre Scheinwerfer an und die Strahlen schienen unbeständige Spinnweben über der Autobahn.

Ein junger Mann lief langsam den Streifen zwischen mittlerer und linker Fahrbahn entlang, wobei er, zufällig oder nicht nie auf die weiße Farbe trat.

Außer seiner weißen Haut, den silbrig blonden Haaren und dem Glimmen seiner Zigarette war kaum noch Leib erkennbar.

Er nahm einen tiefen Zug und silberner Rauch hing in der Luft vor seinen Lippen.

Sein Atem dampfte.

Vorbeifahrende Wagen hupten laut.

Sicherlich wurden die meisten bereits per Verkehrsmeldung über einen Fußgänger auf der Autobahn informiert.

Ihn kümmerte es nicht.

Er schien ein Geist im Dämmerlicht und vielleicht glaubten einige Fahrer tatsächlich ein Wesen Morphei zu erkennen.

Viele würden vermutlich an der nächsten Raststätte einen schwarzen Kaffee bestellen, eine Pause einlegen.

Der junge Mann nahm einen weiteren Zug.

Trotz der Kälte war seine Hand ruhig, er zitterte nicht im Geringsten.

Bald würde es Nacht sein.

Bald würde der Zigarettenstummel bis zum Filter abgebrannt sein.

Bald würde er in der Nacht verschwinden.

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