Blut Gehirn Massaker

Wieso sehen sich Menschen Filme an, in denen ihresgleichen gefoltert, zerlegt und anschliessend zur Schau gestellt wird?
Man stelle sich nur einmal Kater Tommi dabei vor, wie er die überfahrene Nachbarskatze mit zufriedenem Schnurren begafft.
Nein ein unpassender Vergleich. Das Video, dass das Überfahren von Nachbars Katze zeigt. Die selbstredend noch lebt.
Aber da Katzen in ihrer Klugheit erkennen, dass Bildschirme keine lebenden Wesen zeigen, interessieren sie sich nicht für jene und schauen weg.
Wir schauen hin.
Johlen, wenn das MG ordentlich abgeht und wenn dann noch die Claymoore Mine Urwald UND feindliche Armee (Stichwort schlitzäugige Komunisten-Militär-Junta, Stichwort Rambo) gleichzeitig zerfetzt, werden schon einige Äuglein feucht.
Es ist wohl weniger der Gedanke an den morgigen Amoklauf, oder die heissersehnte Rache an dem Flittchen, dass dreister Weise unsere große, einzige, unwiderbringliche Liebe zuerst ergatterte.
Es ist viel mehr die allgemeine Freude daran, dass jemand genau das tut, was wir uns beschämender Weise beim Anblick der letzten, zukünftigen Altersvorsorge überlegten.
Ob Hannibal oder Jigsaw: Killer mit Intellekt sind in.
Sie kleiden sich gut, haben Oscar Wilde gelesen oder zumindest Sartre und konsequenterweise geschlossen, dass die heutige Gesellschaft keinem Ideal mehr gerecht wird und dies nicht einmal durch grundlegende Tugenden ausgleichen kann und folgerichtig dafür bestraft werden muss.
Wir fleischlichen Zuschauer (und Leser), mehrheitlich teil der beschriebenen Gesellschaft und mehrheitlich tugendbefreit können, dürfen und sollten lieber von solcherlei Plänen absehen, zumal die wenigsten den IQ besäßen das Happy End (für den charmanten Intellektuellen mit Hang zum Sadismus) zu erreichen und bestenfalls noch die schnike Polizistin mit erlesenem Dinner und anschliessendem Nachtisch zu verwöhnen.
Nein die Gewaltbereitschaft fördern solche Filme nicht.
Entweder sie ist sowieso schon vorhanden oder sie ist es nicht.
Langweilige Dialoge, in richtigem Maß gesetzt ersticken sowieso geschickt den Wunsch sich in den Film hineinzuversetzen im Keim.
Wer seine gepflegte Aggression angestachelt sehen möchte, sollte lieber um halb eins an eine Stadtkernnahe Tankstelle gehen, als sich Saw 4 anzusehen oder Der Rote Drache zu lesen.
Letzteres ist sowieso eher Motivationslektüre für Blake-Liebhaber.
Es ist vielmehr die Erkenntnis, dass Genies unter uns weilen, die mit der Präzision eines Schweizer Uhrendesigners Folterwerkzeuge herzustellen vermögen und mit der Belesenheit eines Parts des bekanntesten Quartets Deutschlands zubeissen.
Und durchkommen.
Zumindest meistens.
Es ist die Erkenntnis das klassische Bildung und ein solides Maß an Lebensweisheit immer noch zum Guten führen. (Stichwort Dinner mit schniker Polizistin)

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