Die Breite Masse

Es ist Freitag Morgen: 7:45.
Zusammengefasst fühle ich mich in dieser Minute:
Müde, schlapp, leicht überfordert.
Aktuellen Essays nach, gehöre ich damit einer großen Gruppe schulsystem-frustrierter Gymnasiasten an.
Ausserdem schreibe ich ein Blog.
Was mich einer noch größeren Gruppe junger Frauen und Mädchen zuordnet, die selbstbewusst mit Medien arbeiten und freizügig Partikel ihrer Idenität über das omnipotente Web 2.0 verteilen.
Selbstbewusst, aber frustriert und ausserdem vielbeschäftigt wie ich vorgebe zu sein, bin ich selbstredend, die Klischees erfüllend Single.
Dank der großartigen Individualisierung der letzten 20-40 Jahre, sind wir heute so einfach in Schubladen einzuordnen – Spiegel Focus und Harald Schmidt beweisen es.
Die Frage ist: Was machen mit dem neuen , vorhersehbaren Individualisierung?
Wünschen wir Abgrenzung von der vorigen Generation, haben wir sowieso verloren.
Unsere Eltern sind aufgeklärt worden: Sie kennen die Risiken von Kondom und Pille, geben ihre Unterschrift zum Piercing und nehmen Leistungsabnahme mit motivierenden Sprüchen einfach hin.
Wünschen wir Anerkennung, müssen wir verstehen, wie die Gruppe funktioniert:
Es gibt Aussenseiter, Mitläufer und Trendsetter.
Aussenseiter sind die Subgruppenangehörigen, auf den ersten Blick anders, auf den zweiten dennoch zugehörig.
Es gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Mitläufer wandeln sich, wenn sich alle wandeln.
Sind, was alle sind.
Trendsetter sind vorweg oder zumindest so verdammt schnell, dass man dies meint.
Der Aussenseiter sammelt Punkte durch den Grad seiner Extremität.
Der Mitläufer sammelt kaum welche. Er punktet höchstens durch soziale Fähigkeiten und Perfektion.
Der Trendsetter ist sozial, aber arrogant, perfekt aber so schnell, dass er Gefahr läuft Aussenseiter zu sein und dann ist er nicht mehr extrem genug.
Wir haben es schwer, sind frustriert aber selbstbewusst genug dies zuzugeben.
Würden wir jedoch Geld über dieses Punktesystem verdienen, wären die meisten von uns ander vielbesprochenen, finanziellen Armutsgrenze.
So sind sie es nur geistig.
Das System erfordert derart viel Aufmerksamkeit, dass für die klassische Bildung keine verbleibt.
Und hier verlieren wir Punkte an die vergangene Generation.
Aber immerhin dürfen wir uns dann selbstzufrieden sagen:
Es sind doch die interessierten, sozialen Alt-68er, die uns jetzt Levis-Jeans und Channel-Perfum verkaufen…


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